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Buchcover Die Solidarität in dem verfemten Gott

Averincev, Sergej Sergejevic
Die Solidarität in dem verfemten Gott

Die Erfahrung der Sowjetjahre als Mahnung für die Gegenwart und Zukunft. Hrsg. von Peter Stuhlmacher.

In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Dr. Leopold Lucas-Preises 1995 widmet sich Averintsev dem Umgang mit der Religion in der UdSSR, insbesondere den Erfahrungen seiner Generation. Aus seiner Ansprache: "In vielem war der Sowjetkommunismus unaufrichtig; besonders in seiner ersten Periode, d. h. in den 20er und 30er Jahren. Ich meine den »militanten Atheismus«, der übrigens in der Frühzeit noch nicht durch das Fremdwort »Atheismus«, sondern auf gut Russisch »bezbozije«, d.h. »Gottlosigkeit« hieß. »Bezbozije«, »bezboznik« ist im System der russischen Lexik ein extrem drastisches, lebendiges, an Assoziationen überreiches Wort, das zugleich der Sakral- und Bibelsprache und dem derben und kernigen Alltagsidiom angehört, malerisch wie ein Schimpfwort. Bezboznik kann eigentlich kein Atheist sein, sondern nur ein Fanatiker und ein Frömmler des Antitheismus, der, wie es einem Frömmler sich ziemt, seinen Religionskrieg führt - gegen alle Religionen. Oder, um die Phraseologie jener Zeit genauer wiederzugeben, gegen Gott selbst. Man veranstaltete förmliche Gerichtsvorgänge, bei denen Gott immer zur Todesstrafe verurteilt wurde. Gott selbst wurde verfemt. Das Schicksal jener, die an Gott glaubten, erschien in diesem grandiosen, superkosmischen Kontext als eine nicht zu beachtende Kleinigkeit. Es sei, wie es wolle - diese an sich löbliche Aufrichtigkeit dem Glauben an den Gott Abrahams gegenüber kann nicht geleugnet werden [...] Jetzt ist alles so anders geworden. Es ist mir ebenso schwierig oder noch schwieriger, die Erfahrung meiner Generation den Jüngeren in meinem Rußland mitzuteilen als einem ausländischen Hörerkreis. An Gott zu glauben, eine Kirche zu besuchen ist gefahrlos, zugleich aber innerlich schwieriger geworden. Statt der Verfolgungen droht uns die Gefahr einer plumpen, ungereimten Parodie auf das orthodoxe Establishment im spätzaristischen Stil. Gerade die Ex-Kommunisten, also die Leute, die kein Verständnis für die Solidarität von damals hatten und gerade als Verfolger agierten, treten heute als Zeloten der Orthodoxie hervor, als Verfechter eines pseudoorthodoxen Isolationismus, der nach ihren Plänen den kommunistischen Isolationismus ersetzen soll." - 1995 stand der Dr. Leopold Lucas-Preis ganz im Zeichen der Erinnerung an das Kriegsende vor 50 Jahren und ging an Sergej Sergejevic Averintsev (Sergei Sergejewitsch Awerinzew, 1937-2004). Averintsev erhält den Preis für sein wissenschaftliches Werk, für die Beharrlichkeit, mit der er in seinem Land dreißig Jahre lang für die Achtung des christlichen Kulturerbes, der abendländischen Philosophie und der europäischen Literatur eingetreten ist, sowie für seine Bereitschaft, mit Andersdenkenden und Andersgläubigen humane Beziehungen zu pflegen. Sergej Averintsev wurde 1937 in Moskau als Akademikerkind geboren, studierte Altphilologie und promovierte über byzantinische Poesie, beschäftigte sich aber auch intensiv mit ostslawischen Literaturen und der russischen Dichtung des 'Silbernen Zeitalters'. Ab 1989 war er an der Lomonossov-Universität Professor für allgemeine Theorie der Kultur und lehrte gleichzeitig als Ordinarius am Institut für Slawistik der Universität Wien. 47 Seiten, gebunden (Lucas-Preis 1995/Mohr Siebeck 1996) leichte Lagerspuren
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Geschichte des 20. Jahrhunderts, übergreifende Darstellungen Geschichte und Kultur Osteuropas Studium Generale - Geschichte Russisch-Orthodoxe Kirche Studium Generale - Religion Studium Generale - Politik und Gesellschaft

Bestell-Nr.: 132351
ISBN-13: 9783161465406
ISBN-10: 3161465407
Erscheinungsjahr: 1996
Bindungsart: gebunden
Umfang: 47 Seiten
Gewicht: 110 g
Verlag: Mohr Siebeck
Reihe: Lucas-Preis
Autor*in: Sergej Sergejevic Averincev
Herausgeber*in: Peter Stuhlmacher
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leichte Lagerspuren
* Gilt für Lieferungen nach Deutschland. Lieferzeiten für alle anderen Länder finden Sie hier.
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