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Neu im AngebotMercier, Louis-Sebastien
Bücher, Literaten und Leser am Vorabend der Revolution
Auszüge aus dem »Tableau de Paris«. Ausgewählt und übersetzt von Wulf D. v. Lucius. Ein faszinierender Einblick in das literarische Leben im Paris vor der Revolution: Mit seinem »Tableau de Paris« (1781) hat Louis-Sébastien Mercier als erster überhaupt die Großstadt als sozialen Kosmos entdeckt und mit empathischer Hingebung und scharfem Witz beschrieben. In dieser Auswahl sind erstmals ausschließlich Passagen zusammengefasst, die von Literaten und Publikationen, von Theater und Zensur erzählen. So wird die Welt der »gens de lettre« wieder lebendig, in der Mercier agierte und in der die Revolution herannahte. Es entsteht ein wirbelndes Bild von Autoren, Verlegern, Journalen, Zensoren und all der kontroversen Kräfte und Spannungen unter ihnen. Vorangestellt ist der Auswahl eine ausführliche Einleitung, die auf Charakteristik, Entstehung und Wirkung des Werks eingeht und das - teils abenteuerliche - Leben und Wirken des Merciers darstellt. - Aus der Einleitung: »Sehr lange schon vor Erscheinen trug sich Mercier mit dem Gedanken an ein solches Werk. Bereits 1773 notierte er: "[...] je ne connais pas de livre plus nouveau, plus moral, plus instructif, plus intéressant, plus curieux à faire, en tout sens, qu'un livre sur Paris." Damit nennt er schon programmatisch die fünf Charakteristika, die sein Buch prägen: neuartig, moralisch, anschaulich, interessant und - für ihn, den Autor - reizvoll zu schreiben. Das "Tableau", schrittweise entstanden aus journalistischen Beiträgen für das "Journal des Dame"s, dessen Direktor Mercier von 1775 bis 1777 war, ist etwas völlig Neues, ein Geniestreich: Da geht ein hellwacher Beobachter Tag und Nacht durch die Riesenstadt und beobachtet und notiert alles - zugleich akribisch und amüsant. [...] Mercier ist der Schöpfer einer Soziologie der Stadt, er nimmt die Sozialstrukturen anstelle der gebauten Stadtstruktur in den Blick. Ständig ist er bestrebt, die Einzelphänomene als Teile eines sozialen Kosmos erlebbar zu machen. Die scheinbar chaotische Struktur des Werkes spiegelt in anschaulichster Weise die Struktur des dargestellten Gegenstandes wider. [...] Das "Tableau" gehört zu den wegweisenden Werken aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, die vielen Generationen bis heute einen neuen kritischen Blick auf die Welt vermittelt haben. Die Art, wie Mercier auf die Welt schaut, ist heute genauso wichtig, Erkenntnis fördernd und menschliche Anteilnahme weckend (auch da, wo er zynisch scheint) wie bei Erscheinen des Buchs. [...] Wie der Titel des Bandes sagt, wird hier eine thematisch klar auf Literatur fokussierte Auswahl getroffen. Dabei habe ich für heutige Leser eher uninteressante, eigentlich thematisch einschlägige Abschnitte nicht aufgenommen und auch solche ausgelassen, die zu stark Wiederholungen von Gedanken bringen. Dafür wurden andere, leicht randständige, wie etwa die Kapitel über Plakate (S. 96ff.), »Buchstabensalat« (S. 187f.) oder »Das Colisée« (S. 73f.), mit einbezogen, um das pralle kulturelle Leben, das uns Mercier so bunt glitzernd wie die Lichtreflexe einer Discokugel darbietet, mit ein wenig Farbe und Lebendigkeit aufzufrischen und das Räsonnement über Literatur, Zensur, Autoren, Leser et cetera nicht zu dominierend werden zu lassen. Unstreitig aber reduziert diese themenzentrierte Auswahl die überbordende Vielfalt des "Tableau", sie zeigt aber andererseits dafür auch besonders deutlich das intensive, konfliktreiche Leben in Merciers eigener Welt, nämlich der Literatur, und sie akzentuiert die politische Unruhe der sich formierenden bürgerlichen Gesellschaft im modernen Sinn, deren Ursprünge ganz wesentlich aus der Welt der Salons, der Literaten und der Journalisten herrühren. Ich hoffe also, dass Merciers sehr kritischer Blick auf verschiedenste Sachverhalte, aber auch seine Leichtigkeit und seine Fähigkeit zu unterhalten in dieser Auswahl nachvollziehbar bleiben und so ein lebendiges Bild der literarischen Welt und darüber hinaus der Pariser Gesellschaft am Vorabend der Revolution vermitteln. [...] Ein besonderes Anliegen war es mir, sowohl die lebendige Frische wie auch das manchmal etwas umständlich Altmodische von Merciers Text zu bewahren, und ich hoffe, dass mir das einigermaßen gelungen ist. [...] Was Mercier zu seiner Epoche schreibt, ist nicht nur in der Betrachtungsweise wegweisend, ja modern, sondern vieles - etwa die Eifersucht und die Konflikte unter Schriftstellern, rein kommerziell motivierte Verlagsprodukte, das Desinteresse der breiten Öffentlichkeit an Literatur und Literaten - ist heute so aktuell wie damals. In vielem hält also Mercier auch uns den Spiegel vor, und dadurch hat sein Werk seine lebendige Frische auch heute noch.« 237 Seiten mit 11 Abb., gebunden (Wallstein Verlag 2012) leichte Lagerspuren
Bestell-Nr.: 56144
ISBN-13: 9783835309180
ISBN-10: 3835309188
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN-13: 9783835309180
ISBN-10: 3835309188
Erscheinungsjahr: 2012
Autor*in: Louis-Sébastien Mercier
Herausgeber*in: Wulf Dietrich von Lucius
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leichte Lagerspuren
Herausgeber*in: Wulf Dietrich von Lucius
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leichte Lagerspuren
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