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Lehmann, Joachim
Die blinde Wissenschaft
Realismus und Realität in der Literaturtheorie der DDR. DDR-Literaturwissenschaft war in doppelter Hinsicht blind. Weil sie sich auf ein gefälschtes Bild der Vergangenheit bezog, verstellte sie sich den Blick auf die Gegenwart - und vice versa. Intellektuelle faszinierte das vermeintliche Staatsanliegen der DDR, Geist und Macht zu sythetisieren. Die SED-Dikatatur wurde in Kauf genommen, um die Utopie einer vollkommenen Gesellschaft nicht preisgeben zu müssen. Auch wenn die DDR-Literaturwissenschaft vordergründig den 'genoseologischen' Realismusbegriff zugunsten einer 'kommunikativ-funktionalen' Literaturauffassung außer Kraft setzte, blieb sie notgedrungen Ideologie, die vorgab, was nicht der Fall war. In der Studie wird die These vertreten, dass die modern anmutende Terminologie, welche die DDR-Literaturwissenschaft in der Honecker-Ära einführte, immer noch auf Prämissen fußte, die in einem marxistisch-leninistischen Wissenschaftsverständnis wurzelten. Die dem dialektischen Materialismus ursprünglich zugrunde liegende Siegesgewissheit war zwar schon beträchtlich erschüttert. Gerade deshalb schien es geboten, die marxistische Literaturtheorie zu erneuern. Im Verbund mit der Literatur, die sich als einzige Instanz der gesellschaftlichen Stagnation merklich entgegenstemmte, sollte das sozialistische Projekt zeitgemäß reformuliert werden. Von daher wird verständlich, wie der Zusammenbruch des Sozialismus nicht als Befreiung, sondern als Niederlage empfunden werden kann. Die Studie ist ein Beitrag zur Faszination der kommunistischen Ideologie in Deutschland. Die Quelle der Faszination wird im Schönheitskonzept des deutschen Idealismus ausgemacht, das Marx zutiefst beeindruckte. -- Aus dem Inhalt: Die blinde Wissenschaft - Prolog. Faust oder Mephistopheles? - "Sieger und Verlierer". DDR-Identität nach der Wende - DDR-Literaturwissenschaft als Problem deutscher Wissenschaftsgeschichtsschreibung - Ideologiekritik statt Begriffsgeschichte. Anachronistische Gründe einer antiquierten Methode - I. Lenins Vermächtnis als Auftrag der DDR-Literaturwissenschaft. Die Selbstreflexion nach den Umbrüchen der siebziger Jahre - II. Stalinismus. Der blinde Fleck der Selbstreflexion - III. Der deutsche Idealismus. "Alp auf dem Gehirne" der DDR-Germanisten. IV,268 Seiten, broschiert (Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft; Band 163/Königshausen & Neumann 1995) leicht lichtrandig, leichte Lagerspuren
Bestell-Nr.: 134138
ISBN-13: 9783826010705
ISBN-10: 3826010701
Erscheinungsjahr: 1995
ISBN-13: 9783826010705
ISBN-10: 3826010701
Erscheinungsjahr: 1995
Reihe: Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft
Autor*in: Joachim Lehmann
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leicht lichtrandig, leichte Lagerspuren
Autor*in: Joachim Lehmann
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leicht lichtrandig, leichte Lagerspuren
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