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Leitner, Claudia
Der Malinche-Komplex
Conquista, Genus, Genealogien. 1942 veröffentlicht Rubén Solazar Malien in der Zeitschrift "Hoy" einen Artikel zum "Malinche-Komplex", in dem sich "einer der charakteristischsten wie auch beklagenswertesten Züge des Mexikaners" manifestiere: "die obskure und verworrene, vom Unterbewusstsein her gespeiste Bereitwilligkeit, allem Fremden Tribut zu zollen und das Eigene zu verachten". In kannibalisierter Form einem Klassiker der mexikanischen Literatur, Octavio Paz' Essay "Das Labyrinth der Einsamkeit", zugeführt, sollte dieser These vom obskuren Minderwertigkeitskomplex ein glänzender nationaler wie auch internationaler Erfolg beschieden sein. Malinche, "malinchista", "malinchismo": Unter dem Namen der indigenen Übersetzerin und Geliebten Cortés' verzeichnet das heutige Mexiko nachhaltig Defizitäres. Oder doch nicht ganz? "Malinche" heißt auch der vierthöchste Berg Mexikos, und es ist ebensowenig überzeugend, ihn über Manko, Verrat und Niederlage zu deuten wie die vielen Malinche-Figuren lokaler traditioneller Tänze Meso- und Nordamerikas. Konsequent auf Leitfragen der Gender- und Kolonialismusforschung ausgerichtet, begreift die vorliegende Studie den "Malinche-Komplex" in einem umfassenderen Sinn und verortet seine Hauptstränge zwischen den frühen Schriftdokumenten der Conquista, den Neue Welt-Diskursen der europäischen Aufklärung, den Debatten um die mexikanische Nationalität und um Geschlechterregimes sowie, abseits literater Kultur, diversen popularkulturellen Manifestationen. So eröffnen sich beinahe fünf Jahrhunderte des Verhandelns indigener wie auch weiblicher Sprach-, Handlungs- und Kulturfähigkeit. 336 Seiten mit 22 Abb., broschiert (Wilhelm Fink Verlag 2009) leichte Lagerspuren
Bestell-Nr.: 63882
ISBN-13: 9783770546855
ISBN-10: 3770546857
Erscheinungsjahr: 2009
ISBN-13: 9783770546855
ISBN-10: 3770546857
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