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Günter, Manuela
Anatomie des Anti-Subjekts
Zur Subversion autobiographischen Schreibens bei Siegfried Kracauer, Walter Benjamin und Carl Einstein. Manuela Günter verfolgt die subversiven literarischen Strategien, mit deren Hilfe Kracauer, Benjamin und Einstein anhand des eigenen biographischen Materials den Mythos bürgerlicher Subjektivität zerstören. Die Erkenntnis der eigenen Nichtigkeit bildet dabei die Voraussetzung, die Erfahrung des Exils und die Bedrohung durch den Genozid in den Raum einer objektiven Lesbarkeit zu transformieren. Durch ihre Lebensbeschreibungen jenseits des Subjekts eröffnen sie den Blick auf die gesellschaftlichen Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die im "Zivilisationsbruch" kulminieren. - Während in den sogenannten postmodernen Entwürfen der Tod des Subjekts als "Befreiung eines Raumes" gefeiert wird, "in dem es schließlich möglich ist, zu denken", beharrt die kritische Theorie der Moderne auf dem Subjekt als einem auch emanzipatorischen Potential, dessen Einlösung historisch versäumt worden ist. Mit seiner Hilfe soll die gewalttätige und ausschließende Identifizierung des Nicht-Identischen, über die das Subjekt sich erst konstituiert, ein Ende finden. Das bedeutet, dass modernes Denken und Schreiben, an deren Entfaltung die zur Untersuchung stehenden Autoren wesentlich mitgewirkt haben, ohne das Subjekt nicht auskommt, und gleichzeitig, dass es mit ihm nichts mehr anzufangen weiß. Doch nicht nur theoretisch und ästhetisch, auch praktisch haftet dem Subjekt diese Aporie an, und die Verwandlung der "Kulturnation" Deutschland in den SS-Staat zwingt zu einer besonderen Aufmerksamkeit gegenüber dem Problem des real nichtig gewordenen Subjekts einerseits und seiner theoretischen und ästhetischen Negation andererseits. Diese Fragestellung am Werk exponierter Vertreter der späten Moderne zu verfolgen, bildet das Thema dieser Arbeit. Das Anti-Subjekt, das hierbei zum Vorschein kommt, soll ausdrücklich nicht auf "postmoderne" Konzepte projiziert, sondern im Rahmen einer selbstreflexiv gewendeten Moderne betrachtet werden. Im literarischen Feld spitzt sich die Problemstellung zu, wenn sie sich innerhalb des Genres artikuliert, das traditionellerweise der Selbstvergewisserung des Subjekts dient: der Autobiographie. An Siegfried Kracauers Roman 'Ginster', Walter Benjamins Miniaturen 'Berliner Kindheit um neunzehnhundert' und Carl Einsteins Romanprojekt 'BEB Il' soll die paradoxe Struktur entziffert werden, welche die Selberlebensbeschreibung in der Moderne charakterisiert, nämlich an der eigenen Biographie den Mythos bürgerlicher Subjektivität zerbrechen zu lassen. 236 Seiten, broschiert (Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft; Band 192/Königshausen & Neumann 1996) leichte Lagerspuren
Bestell-Nr.: 15783
ISBN-13: 9783826012297
ISBN-10: 3826012291
Erscheinungsjahr: 1996
ISBN-13: 9783826012297
ISBN-10: 3826012291
Erscheinungsjahr: 1996
Reihe: Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft
Autor*in: Manuela Günter
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leichte Lagerspuren
Autor*in: Manuela Günter
Sprache: Deutsch
Zustand: Wie neu, leichte Lagerspuren
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